3D Spiralen - 2

Auf 3D Spiralen - 1 wurde zu Beginn die Helix (Schraubenlinie) mit zugehörigem Helicoid betrachtet. Laut Definition windet sich die allgemeine Helix mit konstanter Steigung um den Mantel eines Zylinders mit Radius r.

 

Im Folgenden wird nun die Helix auf nicht-zylindrische Rotationskörper projiziert und die folgenden fünf Spiral-Objekte für jeden betrachteten Spiraltyp dargestellt:

3D Spiralen - 1

  • Helix
  • Konische
  • 3D Galileo
  • Paraboloide
  • 3D Hyperbolische
  • 3D Lituus
  • 3D Logarithmische
  • Kugelspirale

Tabelle der Spiralobjekte

Die Funktion f (t) mit f : Df ℝ,  Df  ist die Grundfunktion für den jeweiligen Spiraltyp; gleichzeitig dient sie als Randfunktion f (z) des zugehörigen Rotationskörpers, der alternativ auch mit der Gleichung
x² + y² = [ f(z) ]² erzeugt werden kann. 




Helix auf Hyperboloid I  (einschalig)

Eine Helix wird auf ein einschaliges Hyperboloid projiziert, dem folgende Gleichung zugrunde liegt:

Dies ist ein Rotationskörper, der mit der Randfunktion f (z) durch Rotation um die z-Achse entsteht mit

Die auf das Hyperboloid projizierte Kurve, eine Hyperboloid-Helix,weist eine konstante Steigung in Bezug auf die horizontale x/y-Ebene auf, ihr Radius (Abstand zur Höhenachse des Hyperboloids) ändert sich entlang der Höhenachse z gemäß der Randfunktion f (z).

'quasi-Archimedische' Spirale

'quasi-Archimedische' Spirale I

Hyperboloid-Helix I

Hyperboloid-Helix I

Hyperboloid als Rotationskörper mit Helix

Rotationskörper I mit Helix

 


Hyperboloid-Helicoid I

Hyperboloid-Helicoid I

Helix als Rohr auf einschaligem Hyperboloid

Hyperboloid-Helix I als Rohr


Die Projektion der Hyperboloid-Helix auf die x/y-Ebene ist eine planare Spirale, die sich für große u asymptotisch einer Archimedischen Spirale annähert, denn ...

Annäherung Hyperboloid-Helix an Archimedische Spirale
Annäherung Hyperboloid-Helix an Archimedische Spirale

Der Abstand zum Ursprung r(u) ergibt sich zu

Der Winkel der Spirale ist gegeben durch θ = u / c. Für die genäherte Radiusfunktion ergibt sich somit die "klassische" Polarkoordinatenform:

Dies entspricht der Form r (θ) = a ∙ θ, d.h. die Kurve verhält sich im Unendlichen wie eine Archimedische Spirale: sie wächst linear mit dem Winkel θ und mit dem Steigungsfaktor a = p ∙ c / q.


Für kleine u-Werte ist der Radius auf Grund des Terms (…+1)  nicht exakt proportional zu θ; die Kurve startet für u = 0 nicht im Ursprung wie die reine Archimedische Spirale sondern hat bei u = 0 den Startradius r (0) = p.




Helix auf Hyperboloid II  (zweischalig)

Wie auch im vorhergehenden Abschnitt wird eine Helix auf ein Hyperboloid projiziert, jedoch auf ein zweischaliges Hyperboloid mit der Gleichung

Dies ist ein zweiteiliger Rotationskörper, der mit der Randfunktion f (z) durch Rotation um die z-Achse entsteht mit

wobei er im Bereich z ]-q, q[ nicht definiert ist.

 

Die im vorigen Abschnitt beim einschaligen Hyperboloid gemachten Aussagen zur Hyperboloid-Helix und ihrer Projektion auf die x/y-Ebene gelten analog auch für den Fall des zweischaligen Hyperboloids.

'quasi-Archimedische' Spirale II

Hyperboloid-Helix II

Rotationskörper II mit Helix

 


Hyperboloid-Helicoid II

Hyperboloid-Helicoid II

Helix als Rohr auf zweischaligem Hyperboloid

Hyperboloid-Helix II als Rohr





Helix auf Katenoid

In diesem Abschnitt wird eine Helix auf ein Katenoid projiziert, dem folgende Gleichung zugrunde liegt:

Dies ist ein Rotationskörper, der mit der Randfunktion f (z) durch Rotation um die z-Achse entsteht mit

Die auf das Katenoid projizierte Kurve, eine Katenoid-Helix weist eine konstante Steigung in Bezug auf die horizontale x/y-Ebene auf, jedoch ändert sich ihr Radius (Abstand zur Höhenachse des Hyperboloids) entlang der Höhenachse z gemäß der Randfunktion f (z).

'quasi-logarithmische' Spirale

'quasi-logarithmische' Spirale

Katenoid-Helix

Katenoid-Helix

Katenoid Rotationskörper mit Helix

Rotationskörper mit Helix


Katenoid-Helicoid

Katenoid-Helicoid

Helix als Rohr auf Katenoid

Katenoid-Helix als Rohr


Die Projektion der Katenoid-Helix auf die x/y-Ebene ist eine planare Spirale, die sich für große u asymptotisch einer Logarithmischen Spirale annähert, denn ...

Annäherung Katenoid-Helix an logarithmische Spirale
Annäherung Katenoid-Helix an logarithmische Spirale

Der Abstand zum Ursprung r(u) ergibt sich zu

Der Winkel der Spirale ist gegeben durch θ = u / c. Für die genäherte Radiusfunktion ergibt sich die "klassische" Polarkoordinatenform einer logarithmischen Spirale

bei der der Abstand zum Pol exponentiell mit dem Drehwinkel θ wächst.

 

Die auf die x/y-Ebene projizierte Katenoid-Helix beginnt im Ursprung eher wie eine "aufgeblasene" Kurve (da cosh(0) = 1 und nicht 0), nähert sich aber mit steigendem u extrem schnell der Form einer perfekten logarithmischen Spirale an. Damit dies geometrisch Sinn ergibt, muss p, q, c > 0 gelten.





Helix auf Helix  (Doppel-Helix)

Im Folgenden windet sich eine Helix 2 mit dem Radius r2 um eine andere Helix 1, deren Radius r1 jedoch deutlich größer als r2 ist. Das entstehende Objekt ist eine Doppel-Helix, in diesem Fall auch Doppelwendel genannt.

 

Eine solche Doppel-Helix findet man z.B. bei den Glühwendeln in Glühlampen (s. folgende linke Abbildung); hierbei wird durch diese spezielle Wendeltechnik ein längerer Draht auf einer kurzen Strecke untergebracht, was somit zu einer höheren Lichtausbeute und Leuchtdichte führt.

 

In der Handwerkskunst beim Drahtweben (engl. wire-wrapping) werden ebenfalls Doppelwendel (engl. coiled coils) verwendet. Die folgenden Abbildungen zeigen den Herstellprozess sowie die 3D-Calculator-Grafik zum Prinzip.

 

Doppelwendel einer Glühlampe
Doppelwendel einer Glühlampe

(basierend auf de.wikipedia.org/wiki/Doppelhelix)

Doppelwendel beim Drahtflechten
Doppelwendel beim Drahtflechten

Quelle: studio73designsnb.com/creating-a-tubular-weave-wire-wrapping-with-coiled-coil/

 

Prinzip des Doppelwendels beim Drahtflechten
Prinzip des Doppelwendels beim Drahtflechten

Die Parameter der im Folgenden betrachteten Helices 1 und 2 haben mit u,v  , v [0, 2π] folgende Bereiche und Bedeutung: 

  •  ∈  Steigung von 1
  • r1  :  Radius von 1
  • k   :  Anzahl der Windungen von 2 pro 1 Windung von 1
  • r2  :  Radius von 2
  • r3  :  Rohrradius von 2

Projektion von 1 und 2 
auf die x/y-Ebene

 

 

1:

x (u) = r1∙cos(u)

y (u) = r1∙sin(u)

 

2:

r1 >> r2

 

x (u) = (r1 + r2∙cos(k∙u))∙cos(u)

y (u) = (r1 + r2∙cos(k∙u))∙sin(u)


Doppel-Helix

 

1:

x (u) = r1∙cos(u)

y (u) = r1∙sin(u)

z (u) = c∙u

 

2:

r1 >> r2

 

x (u) = (r1r2cos(k∙u)) ∙ cos(u)

y (u) = (r1r2cos(k∙u)) ∙ sin(u)

z (u) = c∙u + r2∙sin(k∙u)

Doppel-Helix, 1 als Rohr

 

Spiralrohr zu 1:

x (u,v) = (r1 + r2∙cos(v))∙cos(u)

y (u,v) = (r1 + r2∙cos(v))∙sin(u)

z (u,v) = r2∙sin(v) + c∙u

 

2:  s. links

 

_______

s. auch Funktionsgraph als Rohr

1 und 2 als Spiralrohre

 

Spiralrohr zu 2:

r1 >> r2 >> r3

f (u,v) = r1 + (r2+r3 + r3sin(u)) 

             sin(k∙v)

 

x (u,v) = f(u,v)∙cos(v) -
              r3∙cos(u)∙sin(v)

y (u,v) = f(u,v)∙sin(v) +
              r3∙cos(u)∙cos(v)

z (u,v) = (r2+rr3sin(u)) ∙
              cos(k∙v) + c∙v




Spezialfall 1:  Doppel-Helix aus zwei parallelen Strängen

Die im Folgenden betrachtete Doppel-Helix besteht aus zwei sich um einander windenden einfachen Helices (auch zweigängige Schraube genannt).

 

In der Biochemie bezeichnet eine solche Doppel-Helix zwei parallele Stränge von Makromolekülen, die schraubenartig einander umlaufen. Das prominenteste Beispiel ist die Struktur des in allen Lebewesen vorkommenden Desoxyribonukleinsäure-Moleküls. Der Verlauf der DNA-Stränge ist hierbei zusätzlich noch gegenläufig (antiparallel). Die eigentlichen Helices werden vom Rückgrat der DNA gebildet, das aus Phosphaten und Zuckern besteht.

 

Doppel-Helix einer B-DNA
Doppel-Helix einer B-DNA

Quelle: de.wikipedia.org/wiki/B-DNA

sich umeinander windende einfache Helices
sich umeinander windende einfache Helices
sich umeinander windende einfache Helices und zugehörige Helicoiden
sich umeinander windende einfache Helices und zugehörige Helicoiden



Spezialfall 2:  Helix auf Torus

Wählt man bei der Helix 1 für den Parameter c den Wert 0, so ändert sich 1 in einen Kreis bzw. einen Kreistorus, um den sich dann die Helix 2 windet (s. auch Rotoide unter Parameterflächen). Die beteiligten Parameter haben mit  u, v  [0, 2π] folgende Bereiche und Bedeutung:

  • r1  :  Radius des Torus
  •  ∈ :  Anzahl der Windungen der Helix 2
  • r2  :  Radius von 2
  • r3  :  Rohrradius von 2
Helix auf Torus

Helix 2 auf Torus

 

Torus:

c = 0

x (u,v) = (r1 + r2∙cos(v))∙cos(u)

y (u,v) = (r1 + r2∙cos(v))∙sin(u)

z (u,v) = r2∙sin(v)

 

2:

r1 >> r

c = 0

x (u) = (r1r2cos(k∙u)) ∙ cos(u)

y (u) = (r1r2cos(k∙u)) ∙ sin(u)

z (u) = r2∙sin(k∙u)

Helix als Rohr auf Torus - 1

Helix 2 als Rohr auf Torus - a

 

Torus: s. links

 

Spiralrohr zu 2:

r1 >> r2 >> r3

k = 12

f (u,v) = r1 + (r2+r3 + r3sin(u)) 

             sin(k∙v)

 

x (u,v) = f(u,v)∙cos(v) -
              r3∙cos(u)∙sin(v)

y (u,v) = f(u,v)∙sin(v) +
              r3∙cos(u)∙cos(v)

z (u,v) = (r2+rr3sin(u)) ∙
              cos(k∙v)

Helix als Rohr auf Torus - 2

Helix 2 als Rohr auf Torus - b

 

Torus: s. links

 

Spiralrohr zu 2: s. links

k = 8





Helix auf beliebigen Rotationskörpern

Ersetzt man den konstanten Radius r in der Parameterdarstellung der Helix durch die Randfunktion f  eines Rotationskörpers, so erhält man einen spiralförmigen Verlauf auf der Oberfläche des Rotationskörpers:

Im folgenden wird noch eine "Anwendung" einer Helix auf einem beliebigen Rotationskörper betrachtet:

 

Auf eine Vase - Rotationskörper um die x-Achse mit der Randfunktion f (x) = -0.1 (2x³ -11x² +12x -9)
mit x ϵ [0, 4] - soll eine farbige Helix längs der x-Achse aufgetragen werden.

 

Während sich die Vase um die x-Achse dreht (um dies besser erkennen zu können, sind noch zwei dunkle"Längsnähte" auf der Vase angebracht), fährt oberhalb parallel zur x-Achse eine Farbspritzdüse (grün) entlang. Hierzu müssen die Translation der Düse und die Rotation der Vase so synchronisiert werden, dass sich die Enden der Helix stets oben und unterhalb der Düse befinden:

Das rechte Bild in der obigen Galerie zeigt eine "Ziervase" mit versetzt angeordneten farbigen Spirallinien.

 

Das gleiche Prinzip nutzend und mit der Randfunktion f (x) = 0.2 sin ² (6x) + 0.5 mit x ϵ [0, 1.5] entsteht ein "Baumkuchen",  auf den eine Helix aus "Zuckerguss" aufgetragen wird:

Das rechte Bild in der obigen Galerie zeigt einen echten Baumkuchen (Quelle: Kuchenmeister.de).