Ein Squircle ist ein Kunstwort aus den Wörtern Square (Quadrat) und Circle (Kreis) und steht für eine Form zwischen einem Quadrat und einem Kreis. Für das Squircle existieren mehrere, sehr verschiedene Definitionen, von denen einige auf den dreidimensionalen Fall erweitert werden können.
Ein Beispiel hierfür ist die 3D Lamé-Kurve, die bereits in den Themenkreisen Super-Sphere und Polyeder sowie Piet Hein Super-Ei betrachtet werden.
Wie auch das 2D Squircle finden einige der im Folgenden betrachteten 3D-Formen ihre Anwendung im Produktdesign, wie z.B.:
In [1] von 1992 stellt M. Fernandez-Guasti sein zweidimensionales Squircle vor und gab am Ende seiner Publikation die Basisgleichung für ein dreidimensionales Squircle an, ohne dies aber weiter auszuführen oder zu analysieren:
Die Lösungen dieser Gleichung erzeugen einen Würfel mit der Kantenlänge 2r (s. Abbildung rechts).
Umformen der Gleichung:
und Einführen des Parameters s - dieser entspricht dem "Quadratizitäts"-Parameter beim Squircle - für s ∈ [0, 1] führt schließlich zur Gleichung des Sphube:
Für r ≠ 0 und x, y, z ∈ [-r, r] liefert die Gleichung für s = 0 eine Kugel mit Radius r, für Werte von s ansteigend von 0 wird die Rundung der Kugel allmählich in Kanten und Ecken eines Würfels überführt, bis mit s = 1 ein Würfel der Kantenlänge 2r entsteht (s. Animation rechts).
Auch im dreidimensionalen Fall entstehen zusätzlich zum Kern-Sphube für x-, y- und z-Werte außerhalb von [-r, r] Loben, hier zwölf an der Zahl. In den folgenden drei Abbildungen ist x, y, z ∈ [-2r, 2r].
Entsprechend der Namensgebung beim Squircle findet man in der Literatur für dieses Objekt den Namen Sphube [2], ein Kunstwort aus den Wörtern Sphere (Kugel) und Cube (Würfel).
Das Periodische Sphube ist das dreidimensionale Gegenstück zum Periodischen Squircle, eine Form zwischen Kugel und Würfel, und wird durch folgende implizite Gleichung erzeugt:
Für x, y, z ∈ [-r, r] und s → 0 (für s = 0 ist die Gleichung entartet) ergibt sich eine Kugel mit Radius r. Für ansteigende Werte von s entstehen Mischformen aus Kugel und Würfel mit glatter, geschlossener Oberfläche. Für s = 1 entsteht ein Würfel mit der Kantenlänge 2r (s. Animation rechts).
Wie auch im zweidimensionalen Fall entstehen zusätzlich zum Kern-Sphube (orange in den folgenden Abbildungen) für x-, y- und z-Werte außerhalb von [-r, r] Loben, die sich dreifach periodisch ausbreiten. Für die folgenden Abbildungen gilt x, y, z ∈ [-3r, 3r].
Auch das Schräge Squircle lässt sich in den dreidimensionalen Raum erweitern. Die dem Quadrat entsprechende dreidimensionale Form besitzt jedoch keine flachen polygonalen Flächen und ist somit weder ein Würfel noch ein regulärer Oktaeder, wenngleich sie diesem sehr ähnlich sieht, quasi ein "Schein-Oktaeder". Die Gleichung für das schräge Sphube lautet:
Für x, y, z ∈ [-r, r] und s→0 liefert diese implizite Gleichung eine Kugel mit Radius r, für ansteigende Werte für s nähert sich die Form allmählich dem Schein-Oktaeder, den sie für s = 1 schließlich darstellt (s. Animation rechts).
Analog zum Schrägen Squircle entstehen zusätzlich zum Kern-Sphube (grün in den folgenden Abbildungen) Loben für x-, y- und z-Werte außerhalb von [-r, r], die sich dreifach periodisch ausbreiten. Für die folgenden drei Abbildungen gilt x, y, z ∈ [-2r, 2r].
Führt man in die Gleichung des Sphube (s.o.) die asymmetrischen Variablen a, b und c ein, so beschreibt diese ein Squirculares Ellipsoid. Hierbei legen die zusätzlichen Variablen die große und kleine Halbachse fest:
Mit den einschränkenden Bedingungen x ∈ [-a, a], y ∈ [-b, b] und
z ∈ [-c, c] ergibt sich für s = 0 ein reguläres Ellipsoid. Mit zunehmend größeren Werten für s geht die entstehende Form allmählich in einen Quader über, der schließlich für s = 1 entsteht. Wie beim Sphube handelt es sich bei der Gleichung für das Squirculare Ellipsoid um ein Polynom sechsten Grades.
Zusätzlich zum Kern-Ellipsoid (blau in den folgenden Abbildungen) entstehen zwölf Loben für x-, y- und z-Werte außerhalb des eingeschränkten Bereichs. Für die folgenden drei Abbildungen gilt | x | ≤ 2a, | y | ≤ 2b und | z | ≤ 2c.
Eine einfache Erweiterung des FG Squircle in den dreidimensionalen Fall ergibt die folgende Gleichung (Quartic):
Sie erzeugt für s = 0 einen offenen Zylinder. Mit zunehmenden Werten für s geht die entstehende Form allmählich
in einen offenen Quader über, der schließlich für s = 1 entsteht (s. Animation rechts). Ohne die
Bedingung | x | ≤ a und | y
| ≤
b entstehen für
0 < s ≤ 1 vier Loben (s. nachfolgende Animation).
Durch entsprechende Wahl der Koeffizienten a und b, so dass a ≠ b gilt, kann eine Exzentrizität erreicht werden (s. folgende Abbildungen).
Eine Variante des squircularen, offenen Zylinders entsteht, wenn man in dessen erzeugende Gleichung den Rechteckigkeits-Parameter s des FG-Squircle durch den Term z²/c² ersetzt:
Die Form ähnelt einem Zylinder, besitzt jedoch keinen konstanten
Querschnitt, sondern hat an einem Ende einen quadratischen Querschnitt, der entlang der z-Achse allmählich in einen kreisförmigen Querschnitt am anderen Ende übergeht (s. folgende linke Grafik).
Um unerwünschte Bereiche (s. folgende mittlere Grafik) zu eliminieren, müssen die Variablen x, y und z die Bedingungen | x | ≤ a, | y | ≤ b und 0 ≤ z ≤
c
erfüllen. Durch die entsprechende Wahl der Koeffizienten a und b, so dass
a ≠ b
gilt, kann eine Exzentrizität erreicht werden (s. folgende rechte Grafik).
Der Squirculare, geschlossene Zylinder wird durch folgende implizite Gleichung (Polynom Grad 4) erzeugt:
Um unerwünschte Flächenbereiche (Loben, s.u.) auszublenden, müssen die Werte für x, y und z entsprechend eingeschränkt werden: x, y, z ∈ [-r, r].
Somit ergibt sich für s = 0 eine Kugel mit dem Radius r. Für größer werdende s-Werte geht die Kugel allmählich in einen Zylinder über, der für s→1 mit Radius r und der Höhe 2r entsteht (s. Animation rechts).
Für s = 1 ergibt sich eine Besonderheit:

Der entstehende Zylindermantel wird durch die beiden Ebenen z = -r und z = r in Form von Quadraten mit der Seitenlänge r gedeckelt (s. folgende Abbildung links, für den mathematischen Nachweis auf die folgende mittlere Abbildung klicken). In der Grafik für s = 1 sind die beiden Deckel (ihre Dicke beträgt 0) "löchrig", das Zeichenprogramm 3D Graphic Calculator ist hier überfordert.
Um einen Zylinder mit kreisförmigen Deckeln zu ermöglichen, wird die obige einschränkende Bedingung angepasst: x² + y² ≤ r², -r ≤ z ≤ r. Allerdings ist der 3D Graphing Calculator dann bereits für s-Werte kleiner als 1 überfordert (s. Abbildung rechts).
Sehr interessant sind die entstehenden Objekte, wenn es für x, y, z keine einschränkenden Bedingungen gibt. Für s = 0
liefert die Gleichung eine Kugel mit Radius r. Für allmählich größer werdende Werte für s bewegen sich zwei Trichter aus ± ∞ kommend
aufeinander zu, wobei die Öffnung immer kleiner wird.
Für s = 1 verschmelzen sie zu einem Zylinder mit Radius r und der Ebene mit z = 0 (s. folgende Abbildungen und Animation).
Lässt man für s auch Werte größer als 1 zu, so wird mit allmählich größer werdenden s-Werten als 1 aus der Ebene ein Katenoid-ähnlicher Körper, und der Zylinder für s = 1 zerfällt in zwei Teile, die einem Rotationskörper mit einer Kettenlinie als Randfunktion ähneln. Mit größer werdendem s wird der Katenoid-ähnliche Körper immer flacher, ebenso die beiden Rotationskörper. Für s→∞ bleibt schließlich die Ebene mit z = 0 mit einem kreisrunden Loch (Radius r) übrig.
Mit der Einführung von Exzentrizität mit Hilfe der Koeffizienten a, b und c wird der squirculare, geschlossene Zylinder "anwendungs-freundlicher":
Somit lässt sich die Höhe variieren und sein
Querschnitt oval gestalten. Für s = 0 wird dann jedoch keine Kugel, sondern ein Ellipsoid erzeugt. Um unerwünschte Loben zu eliminieren, muss, wie auch beim nicht-exzentrischen,
squircularen, geschlossenen Zylinder, die einschränkende Bedingung | x | ≤ a, | y | ≤ b, | z | ≤ c erfüllt werden. Die Animation rechts zeigt den Bereich für
x, y, z ∈
[-r, r], es wurde a = 0.4r,
b = 0.67r und c = 0.8r gewählt.
Verzichtet man auf die einschränkende Bedingung, so gelten für diesen Fall sinngemäß die obigen Aussagen beim nicht-exzentrischen Zylinder. Nachfolgend hierzu drei Abbildungen für verschiedene s-Werte:
Diese Form ähnelt einem Kissen und wird erzeugt durch die Gleichung (Polynom vierten Grades):
Mit a = b = c entsteht für s = 0 eine Kugel mit Radius a. Für größer werdende Werte von s geht die Form allmählich in ein Kissen über, das für s = 1 (s. Abbildung unten links) erreicht ist. Dieses hat einen kreisförmigen Querschnitt entlang zweier seiner Hauptachsen und einen quadratischen Querschnitt entlang der verbleibenden Achse. In der Animation rechts wurde c < a = b gewählt, wodurch das Kissen flacher wird und der Übergang von der Kugel zum Kissen bei wachsendem s besser zu erkennen ist.
Um Loben (s. folgende Abbildung mittig und rechts) zu eliminieren, müssen die Variablen x, y und z die Bedingungen | x | ≤ a, | y | ≤ b und | z | ≤ c erfüllen.
Der squirculare Kegel ist eine Form zwischen einem Kegel und einer Pyramide. Seine Gleichung ist ein Polynom vierten Grades, wobei der Radius seines Querschnitts durch den z-Wert moduliert wird:
Für s = 0 entsteht ein Kreiskegel mit der Spitze im Ursprung des Koordinatensystems. Für größer werdende Werte für s geht der Querschnitt (dieser ist ein FG-Squircle) vom Kreis allmählich in ein Quadrat über, das schließlich bei s = 1 erreicht ist und sich somit eine Pyramide ergibt. Außer dem Kegel selbst entstehen ohne weitere Bedingungen für die erzeugende Gleichung aber auch vier Loben, die sich für s→1 immer mehr dem squircularen Kegel nähern, bis sie schließlich für s = 1 die Pyramide berühren.
Um diese Loben zu eliminieren, bietet es sich folglich an, die Ebenen, auf denen die Seitenflächen der Pyramide liegen, als Grenze für die x- und y-Werte in der erzeugenden Gleichung zu verwenden, d.h.
● -z/c ≤ x ≤ z/c
● -z/c ≤ y ≤ z/c (vgl. mit folgender Abbildung links).
Hier besteht aber ein kleines Problem bei der Darstellung, denn die Mantelfläche des squircularen Kegels berührt für s < 1 jede der vier Grenzflächen längs einer Geraden (hier einmal in grau eingezeichnet in folgender mittlerer Abbildung), für s = 1 sind die Seitenflächen der Pyramide sogar ein Teil der Grenzflächen. Bei der Lösung und Darstellung der impliziten Gleichung stößt der 3D Graphing Calculator hier selbst in höchster Auflösung an seine Grenzen (s. folgende Abbildung rechts).
Das 3D Grafik Tool 3D Desmos macht es da ein klein wenig besser:
Anstelle des FG-Squircle kann eine Lamé-Kurve für eine einfache, unproblematischen Erzeugung des squircularen Kegels verwendet werden. Mit der Anpassung des Exponenten an den Wertebereich von s ergibt sich folgende Gleichung:
Für s = 0 entsteht ein Kreiskegel. Mit zunehmendem größer werdenden Werten für s geht der kreisrunde Querschnitt allmählich in ein Rechteck (Quadrat, falls a = b) über, das für s = 1 erreicht ist (s. Animation rechts).
Für a ≠ b entstehen die entsprechenden Mischformen, wie z.B. bei den folgenden Abbildungen.

Eine Variante, ein ungleichförmiger, squircularer Kegel entsteht mit der folgenden Gleichung, einem Polynom vierten Grades:
Die Form ähnelt zwar einem Kegel, jedoch ändern sich Größe und Form des Querschnitts mit dem z-Wert. So ist der Querschnitt an der Spitze kreisförmig und geht dann Richtung Basis allmählich in ein Quadrat (falls a = b, sonst Rechteck) über (s. Animation).
Um unerwünschte "Anhängsel" (der eigentliche Kegel ist ein Teil im Zentrum einer Quadrik, s. folgende Abbildung links) zu eliminieren, müssen die x-, y- und z-Werte folgende Bedingungen erfüllen:
-a ≤ x ≤ a, -b ≤ y ≤ b, 0 ≤ z ≤ c

Ein Torus mit dem Abstand R zwischen Mittelpunkt seiner Hülle und Mittelpunkt seiner Öffnung und dem Radius r seiner Hülle wird mit der folgenden impliziten Gleichung erzeugt:
Mit Hilfe des FG-Squircle mit dem Quadratizitäts-Parameter s lässt sich der Torus zu toroidalen Formen mit squircularen Querschnitten erweitern:
Mit algebraischen Umformungen ergibt sich eine Polynom achten Grades:
Für s = 0 entsteht der gewöhnliche Torus mit kreisförmigem Querschnitt. Mit zunehmend größeren Werten für s geht der Querschnitt allmählich in ein Quadrat über. Für s = 1 ist der Querschnitt quadratisch, zusätzlich zur Hülle des Torus existieren aber noch die zwei Ebenen z = ± r , ähnlich wie beim squircularen, geschlossenen Zylinder (s. Animation, dort ist zur besseren Veranschaulichung nur ein halber Torus dargestellt).
Entscheidend für die Erzeugung des squircularen Torus ist die
Bedingung -r ≤ z ≤ r !
Ohne diese Bedingung entstehen unerwünschte, wenngleich auch interessante Loben, wie in den folgenden Abbildungen gezeigt.
Eine Variante des squircularen Torus, den squircularen exzentrischen Torus, erhält man, indem man, ähnlich wie beim squircularen, exzentrischen Zylinder (s.o.), die Koeffizienten a, b und c für die Variablen x, y und z einführt:
Auch hier gilt die Bedingung -r ≤ z ≤ r, um unerwünschte Loben auszublenden.
Für a = b = c entsteht ein kreisförmiger Torus, dessen Querschnitt an allen Stellen gleich ist und ein Squircle entsprechend dem Parameter s bildet. Wird in diesem Fall der Wert für c geändert, so wird der Torus flacher ( c < a = b) oder in der Höhe gestreckt (c > a = b). Verändert man den Wert für a und/oder für b, so erhält man einen squircularen Torus, dessen Querschnitt in der z-Ebene für a ≠ b eine Ellipse darstellt. In diesem Fall besitzt die Hülle des Torus keinen konstanten Querschnitt. Die folgende Galerie enthält dazu einige Beispiele.
Quellenverweise
[1] M. Fernandez-Guasti (1992) Analytic geometry of some rectilinear figures,
International Journal of Mathematical. Education in Science and Technology. 23, pp. 895-901
[2] C. Fong (2022) Visualizing Squircular Implicit Surfaces, DOI:10.48550/arXiv.2210.15232